Kapitel 05 / GLOBALIZATION & LOKALE MÄRKTE

SEELENBILDER

Sie sind geheimnisvoll, faszinierend und intensiv. „Meine Bilder sind mein Seelentagebuch“, sagt die in Korea geborene und in den USA lebende Fotokünstlerin Jung S Kim. Auf den surreal anmutenden Selbstporträts ihrer „Circle II“-Serie inszeniert sie sich mal als Kobold, mal als Engel, als taoistischer Magier oder als Gisaeng, eine Art koreanische Geisha – alles Figuren aus kore- anischen Märchen. In diese Geschichten flüchtete sich Kim als Kind, als sie nach der Scheidung ihrer Eltern mehrere Jahre bei einer Tante, einer buddhistischen Schamanin, lebte. Das stille, tief- traurige Mädchen übernahm in seiner Phantasie die Fähigkeiten der Märchenfiguren und träumte sich in deren glückliches Leben. Rückblickend sieht sie darin einen Weg, ihre traumatischen Erleb- nisse zu überwinden und zugleich ihre Persönlichkeit auszuloten und zu entwickeln. Die Bilderwelt, die Jung S Kim erschafft, gibt ihr selbst Trost und Erfüllung, wie sie sagt. Den Betrachter ent- führt sie in ein aufregendes Zwischenreich aus Illusion und den realen Emotionen einer großartigen Künstlerin.