Kapitel 07 / TALK OF FAME & THE POWER OF PERSONALITY

Ich muss

mich nicht

ständig

NEU

ERFINDEN

Flotte Sprüche, ein verschmitztes Lächeln und viel Charisma sind die Markenzeichen von Elyas M’Barek. Spätestens seit „Fack ju Göhte“ gilt der Schauspieler nicht nur als Deutschlands erfol- greichster, sondern auch heißester Filmstar. Ein Gespräch über die Kunst der erfolgreichen Selbstvermarktung, die richtige Auswahl bei Werbejobs und den perfekten Ton von Facebook-Posts.

FOTOGRAFIN // MICHAELA HANDREK-REHLE

INTERVIEW // ELYAS M’BAREK, SCHAUSPIELER UND MATTHIAS HARBECK,

MANAGING PARTNER SERVICEPLAN AGENTURHOLDING


Herr M‘Barek, in welchem Moment haben Sie gedacht: „Jetzt habe ich es geschafft!“ Und wie hat sich das angefühlt?

Elyas M’Barek: Ich hatte das Glück, dass ich sehr jung mit der Schauspielerei ange- fangen habe und nicht direkt in den Orbit geschossen wurde. Ich stand mit 17 oder 18 zum ersten Mal vor der Kamera, und dann ging das mit der Karriere so ganz langsam bergauf. Dadurch konnte ich sehr viel Erfahrung sammeln und mich Schritt für Schritt an Niederlagen, aber auch an die positiven Karrieremomente gewöhnen. Mein Durchbruch war letztendlich „Fack ju Göhte“. Der Erfolg hat mich über- rascht und teilweise auch überfordert, aber ich konnte damit umgehen.

Wie wurden Sie überhaupt Schauspieler?

EMB: Ich wurde von einer Casterin entdeckt. Die hat meinen Bruder bei irgendei- nem Film besetzt und meinte, ich solle auch mal vorbeikommen. Als ich zum ersten Mal in einem Filmset stand, da hab ich gewusst, ich will das machen. Aber ich habe mir damals ehrlich gesagt nicht wirklich Erfolgschancen ausgerechnet. Zur damali- gen Zeit gab es in der deutschen Film- und Fernsehlandschaft für einen Typ wie mich keine Identifikationsfiguren, keine Rollen, das war sehr „unbunt“ damals. Deshalb habe ich erst mal BWL studiert. Dann kam „Türkisch für Anfänger“, und ich war sehr froh, als ich irgendwann vom Schauspielen leben konnte.

Sie spielen häufig einen ähnlichen Typ …

EMB: Das wird behauptet.

Sehen Sie das anders?

EMB: Klar. Ich sehe zwar meistens gleich aus, aber ich habe viele verschiedene Filme gemacht und auch verschiedene Rollen gespielt. Leider wird das nicht so wahrge- nommen. Aber mir ist das egal, solange meine Filme gut ankommen und die Leute Spaß damit haben. Ich habe nicht den Anspruch, immer etwas Neues zu machen oder mich total neu zu erfinden. Bei mir sind eben die Rollen am populärsten, in de- nen ich einen sehr männlichen Typ spiele, im Volksmund auch Macho genannt.

Welchen Typ würden Sie gerne in zehn Jahren verkörpern?

EMB: Ich habe gerade mit Heiner Lauterbach einen Film gedreht. Ich glaube, der hat eine ähnliche Karriere gemacht wie ich. Der hatte ungefähr in meinem Alter sei- nen Durchbruch mit „Männer“ und war dann sehr angesagt. Und er hat auch so etwas kernigere, männliche Charaktere gespielt. Naja, und Heiner spielt das immer noch, aber er spielt auch andere Figuren und dreht noch immer tolle Filme. Wenn ich ein Vorbild nennen müsste, wäre das tatsächlich Heiner Lauterbach.

Entspannter Auftritt: Elyas M’Barek und Matthias Harbeck, Managing Partner Serviceplan Agenturholding, auf dem Podium beim Innovationstag in München.

Können Sie sich vorstellen, es auch mal in Hollywood zu versuchen?

EMB: Ich bin in Deutschland sehr happy und freue mich über die Möglichkeiten, die ich hier habe. Nach Hollywood gehen will ich eher nicht. Ehrlich gesagt, sind da die Erfolgsaussichten nicht so besonders groß, und ich müsste da wieder ganz von vor- ne anfangen. Das würde mir zum jetzigen Zeitpunkt sehr schwerfallen.

Für den Trailer von „Fack ju Göhte 2“ haben Sie auf Facebook gepostet: „Wer diesen Teaser likt, darf bei mir im Zelt pennen! (Ich schlafe nackt).“ Der Post kommt von Bora Dagtekin. Es scheint so, als würde er Ihre Persönlichkeitsmarke stark mitprägen.

EMB: Bora ist der Regisseur eines Großteils meiner Filme, wir sind sehr gut befreun- det, teilen einen ähnlichen Humor und brainstormen manchmal zusammen für sol- che Posts. Ich glaube, wir haben einen guten Sinn für Ironie, und die versteht zum Glück der Großteil der Leute, die meine Filme gucken und die meine Facebook-Seite besuchen oder sie liken. Die haben unseren Humor mittlerweile schon sehr verinner- licht und nehmen uns dann auch unsere Sprüche nicht übel. Das war auch bei mei- nem Lieblingspost so: „Wer hat gerade auch keinen Sex?“ Der kam unglaublich gut an, obwohl vorher alle gesagt hatten, das darfst du nicht posten. Aber die Leute ver- stehen das und finden das total witzig. Bora hat einfach diesen extremen Sinn für Vermarktung, er macht auch die Kampagnen für unsere Filme. Er hat ein gutes Ge- spür dafür, was die Leute sehen wollen und was bei ihnen ankommt. Insofern wür- de ich schon sagen, wir machen das mit der Markenbildung gemeinsam.

Sie haben 2,5 Millionen Facebook-Likes, 1,8 Millionen Follower auf Instagram und 758 auf Twitter. Ist der Erfolg des Schauspielers Elyas M’Barek auch der Erfolg des So- cial Media Performers Elyas M’Barek?

EMB: Ich glaub nicht, dass es so wichtig ist, Social-Media-mäßig unterwegs zu sein. Einige wie Matthias Schweighöfer, Till Schweiger oder ich machen es, die jüngeren Schauspieler machen es mittlerweile fast alle, aber es gibt auch viele, die sehr erfolg- reich sind, Nora Tschirner beispielsweise oder Moritz Bleibtreu, die vermarkten sich überhaupt nicht über Social Media. Ich würde auch nicht sagen, dass ich mich dar- über vermarkte. Wir nutzen Social Media halt immer extrem für unsere Film-Pro- motion. Wenn wir einen Film starten, hauen wir über Facebook die Trailer raus, posten unsere Kino-Tourdaten. Allerdings wird das beim nächsten Film gar nicht mehr so einfach sein. Wenn ich irgendwas poste, dann erreicht das mittlerweile ei- nen Bruchteil der Leute, und sofort bekomme ich die Aufforderung von Facebook, jetzt mal Geld zu zahlen, damit es alle sehen können. Das haben die jahrelang nicht gemacht, das war natürlich zu unserem Vorteil, und wir haben uns immer darüber gewundert, warum das so easy ist. Deswegen bin ich jetzt umgeschwenkt auf Insta- gram und Snapchat. Der nächste Film wird komplett über Snapchat vermarktet.

Elyas

Werbung für Alkohol? Für Elyas M’Barek ein No-Go.

Wie lange sind Sie schon auf Snapchat?

EMB: Seit zwei Wochen.

Und?

EMB: Super. Also bisher läuft es ganz gut. Komisch ist nur, dass man jetzt gar kein Feedback mehr bekommt. Was ja eigentlich nicht so schlimm ist. Aber ich mochte das schon ganz gerne an Facebook, dass man auch mal Kommentare lesen konnte. Jetzt sehen die Leute, wenn ich ein Foto hochlade, dann kann ich gucken, wie viele Leute es anschauen. Aber ich werde nie erfahren, was sie darüber denken. Das ist schade. Aber es macht trotzdem Spaß.

Machen Sie bei Facebook, Instagram und Snapchat alles selbst?

EMB: Ja.

Sie haben keinen, der Ihnen dabei hilft?

EMB: Bora hat bei Facebook auch einen Administrator-Zugang, aber der würde nie- mals etwas posten, ohne mich zu fragen. Das wird immer abgestimmt. Aber sonst, wer soll das machen außer mir?!

Fußballer zum Beispiel lassen das machen.

EMB: Ja, aber das merkt man doch sofort. Da sitzt dann jemand, postet den ganzen Tag irgendwelche Werbebotschaften, und das ist überhaupt nicht lustig. Das muss ich vielleicht dazusagen, es geht mir bei Social Media in erster Linie um den Spaß. Facebook, Instagram und so, das machte mir von Anfang an Spaß. Klar werden auch Botschaften gesendet, so was wie „Hier kommt mein neuer Film“ oder „Das ist die neue Sky-Werbung“. Aber der Großteil des Contents besteht aus persönlichen Inhalten oder eben irgendeinem Spruch oder so. Das ist eine Form von mir, direkt mit den Leuten zu kommunizieren und gleichzeitig eine gewisse Distanz zu halten. Das finde ich total interessant.

Wie viel Privates geben Sie von sich preis? Haben Sie sich zum Beispiel lange überlegt, Ihre Beziehung öffentlich zu machen?

EMB: Ich habe mich vor etwa einem Jahr geoutet: „Oh mein Gott, ich habe eine Freundin!“ Das lag daran, dass es dauernd Paparazzi-Fotos von uns gab, da hat das Geheimhalten einfach keinen Sinn mehr gemacht. Seither interessiert das auch kei- nen mehr. Alles andere ist relativ privat bei mir. Man erfährt keine Familiengeschich- ten, meine Wohnung sieht man nirgends. Die wirklich wichtigen Dinge tauchen nir- gendwo auf. Das ist ja auch im Grunde der Kniff daran. Eigentlich erfährt man durch Social Media wenig Privates über mich, aber es sieht nicht so aus.

Sie werben für Sky, Asics, Jeep, Orangina. Nach welchen Kriterien wählen Sie Ihre Wer- bepartner aus?

EMB: Ich habe eine Agentin, mit der ich diese Dinge bespreche. Da hör ich natürlich sehr darauf, was sie von den Geschichten hält. Prinzipiell habe ich aber ein gutes Bauchgefühl dafür, was zu mir passt und was ich glaubwürdig vertreten kann. Das ist ja mit Filmen dasselbe. Ich möchte keinen Film machen und dann später 5.000 Interviews geben müssen, obwohl ich den Film gar nicht mag.

Gibt es etwas, wofür Sie nie werben würden?

EMB: Ich würde nicht für Alkohol werben. Nicht, weil ich eine Abneigung dagegen hätte, sondern weil ich momentan eine Vorbildfunktion habe. Sehr viele junge Leute beobachten genau, was ich so von mir gebe und was ich tue. Ich möchte denen we- der Drogen noch Zigaretten näherbringen. Auch für Pelze und so einen Quatsch würde ich keine Werbung machen. Weil ich das sowieso nicht will, aber auch, weil ich glaube, dass damit ganz viele Leute nicht klarkommen würden. Dinge, mit denen man Leute verletzen kann, sind einfach nicht so meins. Deswegen spreche ich in der Öffentlichkeit auch nicht über Religion oder Politik. Meine Meinung ist da weniger wichtig als die Gefühle der Leute, die meine Aussagen extrem verletzen könnten.

Aber auf Facebook beziehen Sie durchaus politisch Stellung und plädieren für Toleranz.

EMB: Ich würde keine Parteienwerbung machen oder so. Aber ich kann trotzdem Missstände ansprechen, sagen, wenn mir etwas nicht gefällt, oder für Toleranz werben.

Wurden Sie persönlich schon mal Opfer von Ausländerfeindlichkeit?

EMB: Nicht mehr, aber nur, weil ich berühmt bin. Früher schon.

In Ihren Filmen sind Sie immer als Typ besetzt worden, ich sag mal, das Kind von der Straße mit Migrationshintergrund. Zeki Müller, den Sie in „Fack ju Göhte“ spielen, trägt einen deutschen Namen. Hat man Sie als Schauspieler dadurch anders wahrgenommen?

EMB: Bei Zeki Müller haben wir den Hintergrund bewusst offen gehalten. Deswe- gen der Nachname Müller und der Vorname Zeki, der ja im Grunde ein Fantasiena- me ist, aber bewusst nicht deutsch klingen soll. Die Frage, wo Zeki Müller her- kommt, wurde nie beantwortet. Von der jungen Zuschauerschicht wird diese Frage tatsächlich auch gar nicht mehr so oft gestellt. Die kommt meist nur von älteren Leuten. Auch in Interviews sind es meistens ältere Journalisten, die fragen: „Wo kommst du eigentlich her?“ Die jüngere Generation interessiert das gar nicht mehr, was ich sehr positiv finde.

Hollywood und Heimatgefühl: Elyas M’Barek im Gespräch mit Matthias Harbeck.

Aber Sie sind als Schauspieler schon Vorbild für Kids mit Migrationshintergrund …

EMB: Auch, ja, aber nicht nur. Klar, als ich mit dem Schauspielen angefangen habe, gab es keine Identifikationsfiguren. Selbst im Fußball oder im Showbusiness gab es kaum Leute, die eine ähnliche Herkunft hatten und die auch nicht blond waren. Wenn man sich jetzt die Moderatoren in der deutschen Showlandschaft anschaut oder die Sänger, merkt man: Das hat sich total geändert. Andreas Bourani beispiels- weise hat im Grunde den gleichen Migrationshintergrund wie ich, der heißt nur An- dreas, aber der könnte auch Ali Bourani heißen. Beim Film ist das genauso, da kom- men mittlerweile ganz viele Jungs und Mädchen, die keinen rein deutschen Ur- sprung haben, aber sich als Deutsche bezeichnen, in Deutschland aufgewachsen und geboren sind und hier eben auch Erfolge feiern mit dem, was sie tun. Das gilt nicht nur für den Entertainment-Bereich, sondern für alle Berufssparten.

Wie sehen Ihre nächsten Projekte aus?

EMB: Ich probiere viele Dinge aus. Gerade habe ich einen Film abgedreht, in dem ich eine Figur spiele, die wenig mit den bisherigen Figuren zu tun hat. Bis zum Win- ter drehe ich den nächsten Film, der auch ganz anders ist. Je älter man wird oder je länger man da dabei ist, desto mehr Möglichkeiten bekommt man. Ich freu mich immer noch, wenn ich überhaupt arbeiten darf, aber jetzt sind die Rollenangebote viel vielfältiger und besser als früher, und ich habe die Möglichkeit, bewusst auszuwählen.

Können Sie sich inzwischen aussuchen, mit welchem Regisseur Sie arbeiten?

EMB: Ich hab auf der Berlinale Fatih Akin getroffen und meinte, ich sei ein großer Fan von ihm, ich würde gerne mal mit ihm drehen. Aber er hat nur müde gelächelt. Also ich glaube, so wirklich funktioniert das noch nicht.

Sie sind in München groß geworden, waren zwischendurch vier Jahre in Berlin und le- ben jetzt wieder in München. Warum?

EMB: Ich bin Urmünchner und mag und brauch das. Meine Freunde, meine Familie, die Nähe zur Natur, das Oktoberfest, diese Dinge. München ist meine Heimat.

Zum Schluss kommen jetzt noch ein paar Entweder-oder-Fragen.

Okay.

Zum Thema München:

Augustiner oder Tegernseer Bier?

Tegernseer.

Bayern oder 60?

Bayern.

Obwohl ich kein Fußballfan bin.

Rennrad oder Mountainbike?

Rennrad.

Ich hab mir grad erst eins gekauft.


Hip-Hop oder Elektro?

Hip-Hop.

Ferrari oder Porsche?

Porsche.

Tom oder Jerry?

Die Frage versteh ich nicht.

Die Maus oder die Katze?

Oh Gott. Wer war noch mal wer?

Superman oder Batman?

Batman.

Warum?

Weil er cooler aussieht mit seinem

schwarzen Umhang.